Im Zeitraum von November 2011 bis September 2012 entstand unterhalb des Kirch Rosiner Sees in Richtung Nebel eine Fischaufstiegsanlage.

 

Als integraler Bestandteil einer Gesamtmaßnahme zur Umsetzung der „Europäischen Wasserrahmenrichtlinie“ basiert dieses Projekt auf den konkreten Handlungsvorgaben des „Gewässerentwicklungsplanes Teuchelbach“. Dieser sieht u.a. die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit des Teuchelbaches zur Nebel vor. Damit verbunden ist nach dem Rückbau des bestehenden Verteilerwehres unterhalb des Kirch Rosiner Sees als Migrationshindernis für Fische und Wirbellose der Bau einer Fischaufstiegsanlage als Raugerinne-Beckenpass innerhalb des bestehenden Gewässerlaufes, des so genannten Entlastungsgrabens zur Nebel. Dieses Gerinne wurde seinerzeit als Binnenentwässerungs- und Hochwasserentlastungsgraben konzipiert und ausgebaut. Die neue Funktion als Verbindungsgewässer zwischen der Nebel und der Fischaufstiegsanlage erforderte eine naturnahe, stärker strukturierte Umgestaltung des Entlastungsgrabens, um die Voraussetzungen für die Durchwanderbarkeit des Gewässers für aquatische Organismen zu verbessern. Mit dem durchgeführten Einbau von Strukturelementen (u.a. Wurzelstubben, Baumstammbuhnen) ist eine Erhöhung der Gewässerdynamik und der Habitatvielfalt sowie eine Anhebung des Wasserstandes beabsichtigt.

 

Ein Eingriff in den Baumbestand und in die Gewässergeometrie während der Baudurchführung war unvermeidbar. Allein für die Aufhöhung der Fließgewässersohle mussten 1.000m³ Erdstoff angefahren und eingebaut werden. Die Eindeichung des Fischaufstiegs im Anschlussbereich an den Mühlenbach (richtige Bezeichnung des Teuchelbaches unterhalb des Kirch Rosiner Sees) erforderte weitere 850 m³ Bodeneinbau. Damit im Niedrigwasserfall die Wasserverluste möglichst niedrig gehalten werden können, kam zusätzlich eine Lehmdichtung (600m³) unterhalb der Steinriegel zur Anwendung.

 

Der für mecklenburgische Verhältnisse extrem große Höhenunterschied von mehr als 6 m auf 1500 m Länge innerhalb einer Fischaufstiegsanlage machte den Bau von 74 Querriegeln erforderlich. Die Querriegel bilden dabei 2,5 bis 4,0 m lange Becken, die jeweils 8 cm Höhenunterschied abbauen. Als absolute konstruktive Besonderheit der Fischaufstiegsanlage ist der Hochwasserabschlag in die offene Landschaft zu werten. Etwa einmal im Jahr kann eine Teilmenge des Hochwasserabflusses über eine Steinschwelle das anstehende Wiesengelände zusätzlich vernässen und damit die Renaturierung der ehemals meliorierten Fläche beschleunigen.

 

Mit der vorliegenden konstruktiven Auslegung der Fischaufstiegsanlage werden Rahmenbedingungen und technische Vorgaben der aktuellen Vorschriften sogar übertroffen. Diese Tatsache lässt erwarten, dass das avisierte Fischartenspektrum (Bachforelle, Hecht, Plötze, Elritze, Moderlieschen, Ukelei, Güster, Steinbeißer, Europäischer Aal, Quappe, Barsch, Stichling) schon in wenigen Jahren im Teuchelbach nachweisbar ist. Ein mehrjähriges Programm der Effizienzkontrolle durch Biologen gehört genauso zu den Folgemaßnahmen wie eine Reihe noch ausstehender Gewässerentwicklungsvorhaben des Teuchelbaches bis zum Quellpunkt oberhalb von Bellin.

 

Im überregionalen Vergleich stellt sich das Vorhaben trotz vieler widriger Umstände mit einer Bausumme von 320.000,00 EURO wirtschaftlich dar. Finanziert wurde das Ganze ausschließlich mit Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds und des Naturschutzes.

 

Die Fragen der Steuerung des gesamten Systems über das neue Kleinwehr („Fischbauchklappe“) und die Optimierung der Wasserverteilung zwischen Fischtreppe und Inselsee werden darüber hinaus im Rahmen eines mehrjährigen Monitoringprogrammes erforscht. Eine Reihe von Messsonden sind bereits zu diesem Zweck  „oberlauf- und unterlaufseitig“ installiert. Mit den gewonnenen Daten gilt es zukünftig dem breitgefächerten Anforderungsprofil verschiedener Interessengruppen (Naturschützer, Landwirte, Fischer/Angler, Grundstücksanlieger, Bootshausbesitzer, Wassersportler, Touristen) gerecht zu werden. In jedem Fall sind die Interessen zu wichten und abzugleichen. Gerade unter dem Gesichtspunkt der aktuellen Klimaveränderung und damit eingehender Niederschlagsextreme, wird eine Gewährleistungsgarantie für konstante Wasserstände im Kirch Rosiner See und im Inselsee nicht einlösbar sein. Bei der Betreibung einer Fischtreppe mit gleichzeitiger Wasserüberleitung handelt es sich um sehr komplexe Vorgänge, die durch Steuerung lediglich optimiert werden können, eine Tatsache, die sicherlich noch öfter zu kommunizieren ist!

 

Indes leistet die Natur selbst seit Baufertigstellung 2012 einen wertvollen Beitrag zur Integration der „naturnah“ konzipierten Fischaufstiegsanlage in das Landschaftsbild um Kirch Rosin.

 

Ein „Bauwerk in der Natur“ wird zum „Bestandteil der Natur“.