Grußrede des Bürgermeisters Dr. Blau zum 50. Jahrestag der FFW Bölkow

Seit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Bölkow am12.03.1963 sind 50 Jahre vergangen. Wenn ich mich so umschaue, kann fast jeder diesen Zeitraum aus eigenem Erleben bereits überblicken.

Damit wurde die Bauernwehr, die im eigenen Interesse der Menschen vor Ort existierte durch die Freiwillige Feuerwehr Bölkow für Bölkow, Koitendorf, Mühl Rosin und Kirch Rosin abgelöst. Die damaligen Gründungsmitglieder

Erwin Arnt, Willi Grüschow, Herbert Höwe, Hugo Kittelmann, Gerhard Lück, Hermann Peters, Werner Riechert, hans-Heinrich Rieck, Georg Vetter Heinrich Wahls legten den Grundstein für unsere Wehr.

Wehrleiter wurde Hans- Heinrich Rieck, der mit großem Engagement, mit seinen Erfahrungen und Kenntnissen mit Nachdruck und großer Stimme gegenüber Behörden und Betrieben die Einsatzbereitschaft sicherte.

Gut, dass Sie, Herr Rieck , auch heute noch so eng mit der Feuerwehr verbunden sind und bei der Aufarbeitung der Geschichte helfen.

Aber ist wird auch deutlich, dass der Weg auch recht steinig war und keine paradiesischen Verhältnisse vorhanden waren.

50 Jahre sind aber auch ein Stück Weg der schon über 150 Jahre des Bestehens der Freiwilligen FW in Deutschland. Und damit begleiten uns die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in unserer Gemeinde wie in vielen anderen Regionen.

Wenige Gedanken dazu:

-Die Arbeitsmarktsituation im 21.Jahrhundert hat sich grundsätzlich geändert. Die räumliche Entfernung von Wohnort und Arbeitsplatz vermindert nicht nur tagsüber die Einsatzfähigkeit der Kameraden.

Kreisbrandmeister Tessin hat am vergangenen Wochenende festgestellt:“ Der Knackpunkt ist die Tagesbereitschaft. Vor allem tagsüber sind die aktiven Kameraden bei der Arbeit nicht erreichbar“. Schauen wir uns in unserer Gemeinde um, dann stellen wir fest: kaum jemand da. Einige Bürgerinnen und Bürger fahren sogar bis Holland. Für die FFW stehen sie nicht zur Verfügung.

-Die Zeit mit der Familie wird reduziert und das Wochenende gehört auch der Familie den Freunden unserer Fußballmannschaft und dem Garten.

-Die Aufgaben der Feuerwehr sind vielfältiger geworden.

Mit den herkömmlichen Vorstellungen von Bergen und Löschen wie vor 100 Jahren hat das nichts mehr zu tun.

Unfälle der letzten Jahre auf den Straßen haben an Intensität und Gefährlichkeit zugenommen. Neue Chemikalien erfordern neues Wissen und neue Technik. Neben der beruflichen Tätigkeit erfordert diese neue Situation eine umfangreiche Weiterbildung neben der Arbeit oder während der Arbeit?

-Während der Arbeit! Viele Arbeitgeber schreien dabei förmlich auf. Die Argumente kennen wir. Obwohl gesetzliche Grundlagen vorhanden sind ist dies eine schwierige Situation für die Kameradinnen und Kameraden.

Nebenbei. Bei der Vergabe von Kommunalen Aufträgen fragt niemand nach Lohniveau, Arbeitsbedingungen oder nach der Haltung des Betriebes zum Brandschutz. Vielleicht sollte auch das einmal näher durchleuchtet werden. Die wenigen einheimischen Betriebe haben sicherlich auch zu ihrer FW und zu ihrer Gemeinde ein anderes Verhältnis als der Großbetrieb im nirgendwo.

In einem Eckpunktepapier hat man im Ministerium des Inneren die Rolle der Wirtschaft schon erkannt und denkt über Anreize für Betriebe nach. In der SVZ stand aber es brennt gewaltig. Die Zeit läuft.

 

-Freiwillige Feuerwehr. Kaum eine andere gesellschaftliche Tätigkeit wird so mit dem Wort freiwillig besetzt. Freiwillig für die Gemeinschaft da zu sein ist nicht allen Menschen eigen. Dieses Problem wurde mit dem Schnee der letzten Tage sichtbar und zeigt sich auch in vielen anderen Bereichen.

Diese „Macht mal-ich bezahle Steuern“ Mentalität hat durchaus Berührungspunkte mit unserer Tätigkeit in der fW.

Wie reagieren wir auf diese zunehmende Haltung in unserer Gesellschaft? Worauf müssen wir in unserer Gemeinde Wert legen?

Herr Wünschmann, ein Bürger aus Bölkow, hat das bei den Gesprächen zu Beginn unserer Aufarbeitung der Geschichte in den Mittelpunkt gestellt und den Finger auf die Wunde gelegt und stimmt mit Kreisbrandmeister Tessin überein: Die „Selbsthilfefähigkeit“ der Bevölkerung muss wieder hergestellt werden. Nur eine funktionierende FW kann das eigene Leben und Hab und Gut retten. Das muss in das Bewusstsein der Bevölkerung eindringen.

Dem Ehrenamt in der Feuerwehr muss eine besondere Bedeutung zukommen, da es sich um ein Sicherheitsrelevantes Ehrenamt handelt, wie im Eckpunktpapier zur zukünftigen Sicherstellung des Brandschutzes heißt.

Dieser gedankliche Ansatz muss ausgebaut werden.

 

Diese Gedanken sind auch Arbeitsgrundlage der Gemeindevertretung. Sie steht nicht nur zur lapidaren Forderung, dass wir eine Feuerwehr brauchen.

Wir wollen unseren Anteil leisten und alles tun, um den möglichen Rahmen der Zusammenarbeit abzustecken. In diesem Zusammenhang bedanke ich mich auch herzlich bei Herrn Teichmann und Frau Rohmann vom Amt Güstrow Land für die fachkundige Unterstützung.

Alle Kameradinnen und Kameraden unserer FFW Bölkow haben dazu auch ihren Beitrag geleistet. Überall seid ihr präsent. Ob bei Dorffesten, Traditionsfeuern, Windbrucheinsätzen und natürlich bei der Brandbekämpfung konnten wir uns immer auf euch verlassen.

Und besonders habe ich mich gefreut, dass wir beim Neujahrsempfang Kameradin Garling für ihre Nachbarschaftshilfe auf Vorschlag verschiedener Bürgerinnen und Bürger auszeichnen konnten. Das zeigt, dass eure Tätigkeit euer Verhalten in der Öffentlichkeit ausstrahlt.

Unsere Feuerwehr lebt vom Engagement ihrer Mitglieder, die sich auch mit eigenen finanziellen Aufwendungen und Eigenleistungen einbringen. Ich bin beauftragt, dafür allen Kameradinnen und Kameraden zu danken. Ich würde mich auch freuen, wenn ihr die gute kameradschaftliche Arbeit fortsetzt, wie ich sie bei der Jahreshauptversammlung gespürt habe. Ein toller Abend, der sicherlich wiederholt werden kann. An den Pokalen soll es nicht liegen. Und ich bin auch gern wieder dabei.

Heute begehen wir den 50 Jahrestag. Da ist auch der Rückblick angesagt. Das macht man so bei einem Geburtstag. Ich will nichts vorwegnehmen aber

in irgendeiner Episode habe ich gelesen, dass durch die Kontrollen auch endlich die gesamte Elektrizität in einem Wohnhaus des Forstwirtschaftsbetriebes ausgewechselt werden konnte zur Freude der Mieter. Über damalige Ursachen der Mängel in Elektroanlagen, Heizanlagen und Lagermöglichkeiten will ich hier nicht eingehen.

An anderer Stelle habe ich Aufzeichnungen vom Kameraden Rieck in der Zeit nach dem Mauerfall gefunden. Nach der Gründung 1963 eigentlich eine zweite Geburt, weil aus diesen Aufzeichnungen sichtbar wurde, dass es darum ging, alles zu erhalten und ein Umdenken notwendig wurde.

Sicherlich kann uns Kameradin Krebs noch weitere Informationen liefern. Ich weiß, dass sie die ersten Ergebnisse der Geschichtsforschung vorstellen wird.

Aber interessant ist die Geschichte der Feuerwehr unserer Gemeinde schon, widerspiegelt sie doch auch die gesellschaftliche Geschichte. Und damit schließt sich der Ausgangspunkt meiner Gedanken, dass 50 Jahre Geschichte der FW auch 50 Jahre Geschichte dieser und der vergangenen Gesellschaft sind.